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Erfahrungsbericht zum Verhütungsmittel Implanon

Hallo,
nachdem sich jetzt nach Jahren langsam die negative Seite des Implanons
zeigt, möchte ich ebenfalls zur Aufklärungsarbeit beitragen.

Nachdem ich von meiner damaligen Pille Leios nur noch Kopfschmerzen hatte, hat meine Frauenärztin mir (beflügelt von den hübschen, vertrauenserweckenden Prospekten?) mit 16 meine erstes Implanon gelegt. Damals hat es die Krankenkasse noch komplett gezahlt, mittlerweile wird die Zeit, in der man noch als minderjährig gilt prozentual errechnet und eben nur dieser Prozentsatz erstattet, so mein aktueller Gyn.) Kurz darauf lernte ich im Wartezimmer eine Frau kennen, die seit dem Stäbchen nur noch geblutet hat und eine Klassenkameradin erzählte mir, sie habe massive Akne bekommen und das Implanon deswegen entfernen lassen. Ich hingegen hatte kein einziges Problem mit dem Verhütungsstäbchen. 3 Jahre hatte ich meine Periode nur alle 3-4 Monate sehr schwach für ca. 10 Tage. Die Entfernung des Stäbchens war nicht sonderlich erquickend, da es ein wenig eingewachsen war (1cm Narbe) und das Einsetzen des neuen Stäbchens kostete mich alles in allem 220€. Für das Herausnehmen hat mir meine Ärztin vor drei Jahren noch nichts berechnet. Allerdings hat sie mir ohne zu zögern das Stäbchen an die gleiche Stelle wie das alte gelegt, obwohl der Implanon-Prospekt empfiehlt, die Seite zu wechseln. Auch das vierte Jahr verlief hervorragend. Im Fünften begannen dann die ersten Probleme. Meine Tage hatte ich immernoch selten, jedoch dauerten sie Wochen. Ein Mini-Tampon reichte zwar für einen ganzen Tag, aber nach drei Wochen fühlt sich die Vagina bei so etwas alles andere als gesund an. Ich hätte evtl. auf Binden umsteigen sollen, aber das tat ich nicht, da ich befürchtete sie würden mich einschränken. Bis zum Ende des sechsten Jahres verkürzte sich der Abstand meiner Regelblutungen. Mittlerweile habe ich sie nach 4-6 Wochen für ca. 3 Wochen. Zwischenzeitig – bei einer Vorsorgeuntersuchung – entdeckte mein neuer Gyn, dass sich vor einiger Zeit wohl eine Einzelle kurzzeitig eingenistet haben müsse.

Eine Eizelle?
Eingenistet? Aber…?
Er erklärte mir das Implanon sei hingegen der verbreiteten Meinung doch nicht Antibiotika-resistent. Ich ärgere mich bis heute schwarz, dass mir diese Information 6 Jahre lang vorenthalten wurde. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und kann anscheinend nur von Glück reden, dass ich kein Kind habe.Gestern war ich erneut bei ihm um meine Beschwerden mit dem Implanon zu besprechen und ob sie sich ggf. wieder einrenken.Nein, er könne nicht sagen, ob es sich wieder legt. Ja, er kenne viele Fälle, die nach Jahren plötzlich Beschwerden haben. Ja, es gibt mittlerweile tatsächlich bestätigte Implanon-Schwangerschaften.

Mittlerweile würde ich 198€ für das Implatat selbst, 110€ für das legen und 40€ für die Entfernung des alten zahlen. Für mich mit frisch abgeschlossenem Studium kaum zu zahlen.Ich entschied die Pille wieder zu nehmen. Ich erwähnte, dass ich mein aktuelles Stäbchen nicht ertasten kann. Aber auf den Fall wurde bereits in der Implanonbroschüre hingewiesen mit einem Verweis auf den Utraschall. Kurz darauf suchte mein (mittlerweile leicht nervöser) Gyn mit dem Ultraschall mein verschollenes Implanon. Ca. 20 Minuten später war es immernoch verschollen und er mutmaßte, dass es vermutlich in mitten der Oberarmmuskulatur läge.

Ich finde es weniger tragisch, als einfach nur nervig, dass ich nun eine
Überweisung zum Chefarzt der Gyn des örtlichen Krankenhauses in der Tasche habe. (Übrigens bekomme ich dort frühestens in einem Monat einen Termin zur Sprechstunde. Leider ziehe ich in 14 Tagen um, beginne meinen neuen Job usw.)

Zu guter Letzt habe ich meinen Frauenarzt gefragt, ob er das Problem schonmal gehabt habe. Missmutig gab er zu, dass ich die dritte bin, die er zur chirurgischen Entfernung schickt. Bei der ersten Frau war das Implanon so verwachsen, dass selbst der Chirurg sagte, er hätte es fast nicht entfernen können. Bei der zweiten Frau war das Implanon auch unter dem Messer nicht auffindbar. Er hat gemutmaßt dass die Spritze, in der man es kauft evtl. von Anfang am leer war.

Und nun ich. Implanon per Ultraschall nicht auffindbar, aber auf Grund von Blutungsstörungen eindeutig vorhanden. Evtl mitten im Oberarmmuskel.Ich könnte es mein Leben lang in meinem Oberarm lassen. Aber das würde bedeuten: Ein Leben lang Blutungsstörungen und eine herabgesetzte Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaft.

Bericht einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, Juli 2009

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