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Erfahrungsbericht zum Verh├╝tungsmittel Implanon

Ich hatte Ihre Stellungnahme zu Implanon im September 01 abgerufen. Dies war f├╝r mich der erste Hinweis, als „Versuchskaninchen“ gebraucht zu werden.

Lassen Sie mich bitte kurz meine Erlebnisse mit Implanon schildern:

Im September 00, kurz nach der Geburt meiner Tochter, habe ich mir ein Implantat von der Fa. Nourypharma, Implanon, einpflanzen lassen. Mit den Infomationen, wie man sie von Nourypharma direkt aus dem Internet abrufen oder sich beim Arzt geben lassen kann. Von allen diesen Informationen stimmte nur eine einzige: Man kann nicht schwanger werden.

Ansonsten erlebte ich folgendes: Im ersten halben Jahr des Tragens von Implanon hatte ich ca 4 abgeschlossene Monatsblutungen innerhalb einer Woche(!!!). Nachdem mein Nervenkost├╝m absolut blank war, rief ich beim Informationsservice von Nourypharma an, wo mir eine freundliche ├ärztin erkl├Ąrte, das k├Ânne in Einzelf├Ąllen so sein wie bei mir, ich solle mir bei meinem Arzt eine kurzfristige Hormonkur geben lassen, dann sei mein Problem behoben. Nach Befolgen dieses Rates und weiterem Abwarten, knapp ein Vierteljahr sp├Ąter, war mein Problem nicht behoben, sondern eher noch schlimmer geworden. Ich blutete f├╝rchterlich. Tja, meinte mein Arzt, ich w├╝rde wohl zu den 0,005 Prozent Frauen geh├Âren, die das Implanon nicht vertragen. Er w├╝rde mir aber eine langfristige Einnahme bis zum Ablauf des
3. Jahres von Hormontabletten empfehlen, damit das Implanon nicht vorzeitig entfernt werden m├╝sse. Er verschrieb mir Orgametril, gab mir gleich ein Rezept f├╝r 180 Tabletten und erkl├Ąrte, ich k├Ânne die Dosis selbst bestimmen, er schlage jedoch vor, die Dosis mit der Zeit auf eine Vierteltablette pro Tag zu reduzieren. Wenn ich eine Blutung w├╝nschte, sollte ich einfach mit den Tabletten aussetzen.
So habe ich das dann auch gemacht. Jetzt, nachdem es mir wirklich nicht gut geht, ich leide unter h├Ąufigen Migr├Ąneanf├Ąllen, extremen Stimmungswechseln, habe st├Ąndige Bauchschmerzen und ├╝berhaupt keine Lust auf Sex – habe ich hier einen anderen Arzt aufgesucht, der v├Âllig entsetzt ├╝ber meine bisherigen Erlebnisse war.
Er f├╝hrte eine Ultraschall-Untersuchung durch mit dem ├╝berraschenden Ergebnis, das eine ca 7cm gro├če Zyste an meinem Eierstock
gewachsen ist. Diese wird nun in den n├Ąchsten Tagen operativ entfernt. Auf meine Frage, wie man denn an so was kommt, meinte er, er sei nach seiner Meinung der extrem hohe Hormoncocktail, den ich jeden Tag zu mir nehmen w├╝rde.
Davon abgesehen, lebe ich mittlerweile nicht mehr in Deutschland, weder das Implanon von Nourypharma noch Orgametril sind in diesem Land registriert oder f├╝r den Markt zugelassen – mit der Begr├╝ndung, die verwendeten Hormone seien ber├╝chtigt f├╝r ihre Nebenwirkungen.

Soviel zu meinen bisherigen Erlebnissen mit Implanon. Ich bin der Meinung, da├č man als Frau viel besser aufgekl├Ąrt werden sollte. Vielleicht bin ich ja wirklich ein Einzelfall – vielleicht hat man es hier aber auch mit einem Pharmakonzern zu tun, der skrupellos an unwissenden Frauen Geld verdient – unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bzw. Verschweigen von Nebenwirkungen.
Dann nenne ich das Betrug. Ich habe ├╝brigens nicht vor, meine Erlebnisse geheimzuhalten, ich denke, je mehr Frauen den Mund aufmachen, umso gr├Â├čer die Chance, da├č andere Frauen nicht nur die „Sch├Ân-Sch├Ân-Seite“ h├Âren, sondern auch wissen, wie es wirklich zugehen kann.
Falls Sie mit mir in Verbindung treten wollen, wenden Sie sich an das Frauengesundheitszentrum Graz.

Ich meinerseits warte derzeit noch auf den Befund der Zyste (Format und Gr├Â├če einer Orange), die mir vor einer knappen Woche entfernt wurde. Wie einer der ├ärzte meinte, k├Ânnte der t├Ągliche Hormoncocktail f├╝r das Wachsen verantwortlich sein. Wir werden sehen.
Bei gleicher Gelegenheit habe ich mir auch das St├Ąbchen entfernen lassen – dieses war ordentlich festgewachsen, wie ich jetzt in dem R├Âhrchen, in das der Arzt das St├Ąbchen f├╝r mich verwahrte, sehen kann. Eine ca 3 cm gro├če Rollbraten-Narbe ziert nun meinen Arm. Alles in allem hat die OP 90 Minuten gedauert!

Wie gesagt, ich bin auf der Suche nach anderen gesch├Ądigten Frauen. Ich habe den Eindruck, das, was man mir immer erz├Ąhlte – ich sei der absolute Einzelfall – stimmt nicht, im Gegenteil scheinen die Frauen, die das vertragen, in der Minderheit zu sein. Leider sind all die Berichte im Internet, die mich ebenfalls schockiert haben, alle anonym, an die Frauen selbst kommt man nicht heran.
Besonders ├Ąrgerlich finde ich, da├č man nirgendwo neue Erkenntnisse ├╝ber Implanon findet – noch immer wirbt Nourypharma mit den Informationen, wie man sie vor drei Jahren abrufen konnte. Aber mittlerweile m├╝├čte man doch wenigstens ein paar Studien abgeschlossen haben, oder????

Ich bin sehr daran interessiert, dass mein Bericht anderen Frauen bei der Entscheidungsfindung hilft – dass sie nicht nur die Sch├Ân-Sch├Ân-Seite von Arzt und Nourypharma erh├Ąlt, sondern auch, wie es tats├Ąchlich zugehen kann. Vielleicht bleibt so mancher Frau dann der Leidensweg erspart, den ich und – offensichtlich viele andere Frauen auch – gehen mu├čte.

Bericht einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, Februar 2003

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