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Erfahrungsbericht zum Verhütungsmittel Diaphragma

Ich habe mir das erste Mal mit 16 Jahren die Pille verschreiben lassen,

mein Frauenarzt meinte damals, dass Valette sehr gut als Anfängerpille geeignet ist, die meisten Mädchen fangen also mit der an.

Ich habe diese Pille sechs Monate genommen, aber ich war immer wieder gereizt und müde, ich habe mich öfters nicht so wohl gefühlt, aber ich dachte dass das nur eine Phase ist, die wieder vorbeigeht. Als ich mich dann von meinem damaligen Freund getrennt habe, habe ich auch mit der Pille aufgehört, weil ich sie ja nicht mehr gebraucht habe. Ich habe mich erst 3 bis 4 Monate nach Einnahme der letzten Pille wieder richtig wohl gefühlt, aber damals konnte ich noch nicht der Pille die Schuld dafür geben.

Als ich dann wieder mehr unterwegs war, auch abends und öfters in Discotheken war, wollte ich mir wieder eine Pille verschreiben lassen. Valette wollte ich nicht mehr, da mir die

ca. 14 € im Monat einfach etwas viel waren, vor allem da ich nur Taschengeld bekommen habe und meine Eltern nichts von der Pille wussten. Also redete ich mit einer Freundin über das Thema, sie meinte dass sie schon seit 2 Jahren die Madonella nehme, die kostet nur 3 € im Monat und sie verträgt sie sehr gut. Also dachte ich, dass ich mir auch die verschreiben lassen wolle, was mein damaliger Frauenarzt auch sofort gemacht hat. Ohne Hormonspiegel, nur eine normale Untersuchung und dann hatte ich das Rezept für Madonella in der Hand, ohne zu wissen ob die eigentlich gut für mich ist.

Da war ich 17 Jahre alt. Ich hatte etwas Angst vor Nebenwirkungen, etwa dass ich zunehmen würde oder Angst vor Übelkeit. Aber der erste Monat mit Madonella war einfach nur schrecklich. Ich hatte dauernd Unterleibsschmerzen, hatte extrem heftig meine Tage und bekam etwas fettige Haut und fühlte mich wirklich sehr unwohl. Ich dachte dann, dass das sicher nur der erste Eingewöhnungsmonat ist, und probierte sie auch noch ein zweites Monat. Im zweiten Monat war dann Sex überhaupt nicht mehr möglich, ich war praktisch ausgetrocknet. Mir tat alles weh, und ich habe sie dann sofort wieder abgesetzt. Dann war ich erstmal sehr frustriert. Mein damaliger Freund und ich verhüteten dann eine zeitlang mit Kondomen, was ihm aber weniger gefallen hat. Als dann feststand, dass wir länger zusammenbleiben sollten, ging ich wieder mal zum gleichen Frauenarzt wie damals, und lies mir eine neue Pille verschreiben. Ich schilderte ihm meine Probleme, die mit Kopfschütteln und Unverständnis kommentiert wurden, aber er verschrieb mir dann die Yasmin. Er sagte, dass die von vielen Frauen gern genommen werden würde, da sie Wassereinlagerungen verhindert, gut für die Haut ist und auch sonst nur positive Effekte hat.

Ich hatte aber auch bei Yasmin das gleiche Problem das ich einfach sehr trocken war und mir jede Art von Sex weh tat und ich überhaupt keine Lust mehr auf Nähe hatte. Ich wollte weder kuscheln, noch küssen, noch überhaupt mit meinem Freund etwas unternehmen, und zusätzlich war ich sehr launisch und aggressiv, wir haben wirklich sehr viel gestritten wegen mir. Also habe ich auch Yasmin abgesetzt, und zwei Monate nach dem absetzen war ich sehr viel ruhiger, ich konnte mich wieder entspannen, aber ich hatte noch immer fürchterlich Angst vor Schmerzen beim Sex. Aber mein Freund hat mich nicht verlassen sondern sich sehr um mich bemüht, und wir haben auch meine Angst überwinden können. Dann waren wir schon zwei Jahre zusammen, und wir verhüteten weiter mit Kondomen, woraufhin er die Lust auf Sex verloren hat. Für ihn war es sehr störend, sich ein Kondom überzustreifen, und er meinte auch dass er sehr viel weniger spüren würde.

Also versuchte ich wieder, nachdem ich ein Jahr ohne Pille wunderschönen Sex hatte, mir eine Pille verschreiben zu lassen. Ich ging zu einem Spezialisten nach Graz, der mit mir einen Hormonspiegel machte und mir die Pille Belara verschrieb. Wieder hatte ich Hoffnung, aber auch diese Pille nahm ich nur zwei Monate, da Sex einfach unmöglich war. Mir tat alles weh, alles in mir spannte sich, obwohl ich diesmal nicht zu trocken war. Und weil ich mich wieder total von meinem Freund abwandte, setzte ich sie wieder ab.

Jetzt erst suchte ich nach Alternativen zur hormonellen Verhütung. Sicher habe ich schon vorher über andere Methoden nachgedacht, aber nichts erschien mir sicher genug.

Im Endeffekt las ich mich in ein paar NFP-Foren ein, und die Frauen dort verhüteten mit Diaphragmen. Das war mir völlig neu, ich dachte dass diese Art der Verhütung sowieso schon ausgestorben ist. Aber ich habe von keiner einzigen Diaphragma-Schwangerschaft gelesen, obwohl ich das gesamte Internet und alle Foren abgesucht habe. Wenn wirklich eine Frau schwanger geworden ist, dann deswegen weil sie es vergessen hat einzusetzen.

Das hörte sich für mich viel versprechend an.

Aber bevor ich wieder zu einem Frauenarzt ging und mir ein Diaphragma anpassen lies, bestellte ich mir ein Lea Contraceptivum. Das muss man nicht anpassen lassen, es gibt eine Einheitsgröße für alle Frauen und es saugt sich am Muttermund fest. Das hörte sich für mich gut an, und ich habe es mir also bestellt.

Nachdem ich es ausgepackt habe, kam es auch mir sehr groß vor. Aber es fühlte sich trotzdem angenehm an. Einsetzprobleme hatte ich keine, sobald man weis wie man es zusammendrücken muss, flutscht es wirklich von alleine in die richtige Position.

Nur als ich es beim ersten Mal entfernen wollte, war ich wirklich verzweifelt weil es sich so arg festgesaugt hat, dass ich es kaum rausbekam. Mittlerweile ist auch das ein Kinderspiel. Der einzige Nachteil: Je nach Stellung spüren es mein Freund und ich beim Sex. Er meinte anfangs, dass es ihm fast weh tut, je nachdem eben er anstoßt, bei mir spüre ich einfach nur den Fremdkörper wenn er sehr tief eindringt. Aber der Sex ist trotzdem tausendmal besser wie mit Pille. Und nachdem er nun das Lea spürt, habe ich mir dann doch noch ein Diaphragma anpassen lassen.

Einen Arzt zu finden der eine Anpassung vornimmt, war das schwierigste an der ganzen Aktion. Ich habe in der ganzen Steiermark 12 Frauenärzte durchtelefoniert, die meisten Arztgehilfinnen die in der Ordination sitzen, wussten gar nicht von was ich rede. Dementsprechend habe ich sehr lustige Gespräche geführt, wie zB das es Diaphragmen ja gar nicht mehr gibt, und falls es sie doch gibt kann man sie nur in einer Apotheke bekommen, aber Ärzte passen die ja gar nicht an. Ich habe dann vom Frauengesundheitszentrum zwei Adressen von Ärzten bekommen, die eine Anpassung durchführen.

Die Anpassung selbst war wirklich sehr angenehm, ich habe 20€ dafür bezahlt, und die waren es allemal wert. Es hat ca. 10 Minuten gedauert, bis die Frauenärztin die richtige Größe wusste. Das Diaphragma selbst kostet ca. 30 €, ich spüre es beim Tragen überhaupt nicht, und beim Sex schon gar nicht. Auch mein Freund spürt es nicht, es ist wirklich sehr angenehm. Das einsetzen war für mich anfangs schwieriger, weil das Lea eben von selbst in seine Position rutscht, beim Dia muss man da etwas nachhelfen. Die Frauenärztin hat mir auch angeboten, dass sie gerne gratis nachtastet, ob das Dia wirklich schön über meinen Muttermund liegt.

Allerdings braucht man für das Diaphragma ein Spermizid, das hat sich anfangs als schwer erwiesen eines bei unseren Apotheken in der Steiermark zu bekommen. Die erste Apotheke hat mir einfach ein Gleitgel mitgegeben, mit dem Hinweis dass in modernen Gleitgels überall spermienabtötende Wirkstoffe sind – ein Unsinn.

Aber ich verwende nun das Contragel Grün, sehr gut verträglich.

Alles in allem habe ich nun meine Verhütungsmethode gefunden, natürlich muss man das Dia vor dem Sex einsetzen, aber das dauert wirklich nur zwei Minuten. Nach dem Sex muss man es acht Stunden drinnen lassen, aber wie gesagt man spürt es nicht, es ist einfach angenehm.

Und ich kann schönen Sex haben, habe eine Verhütungsmethode mit der ich mich wohl fühle und die ich nur brauche wenn ich wirklich Sex habe und auch mein Freund ist damit zufrieden. Er kann es auch schon richtig einsetzen und hat Spaß dabei 😉

Bericht einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, August 2007

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