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Erfahrungsbericht zum Verhütungsmittel Hormonspirale „Mirena“

Ich habe mir die Hormonspirale Anfang Oktober 2008 legen lassen. Nach einigen Jahren sehr unregelmässiger Einnahme der Pille (Plaster habe ich nicht vertragen) riet mir meine FA zur Mirena (ich habe zwischen Mirena und Implanon hin und her überlegt). Sie meinte, sie hätte mit letzterem häufig Probleme, während es bei ihren Mirena Patientinnen bisher keine gab. Außerdem wäre es mittlerweile kein Problem mehr eine Spirale einzusetzen, wann man noch nicht geboren hat. (Anm: Ich war beim Einsetzen 19 Jahre und kinderlos)

Das Einsetzen selber war eins der schmerzhaftesten Dinge, die ich bis dato erlebt habe und ich bin eigentlich nicht sehr schmerzempfindlich. Danach hatte ich einen Kreislaufzusammenbruch und musste von der FA Praxis mit der Rettung ins KH gebracht werden (!) – nach einigen Stunden mit Schmerzinfusionen und weiteren Untersuchungen durfte ich nach Hause. Ich hatte noch einige Tage lang Schmerzen, die aber immer schwächer wurden. Danach gings mir eigentlich gut, bis auf etwas eigenartige Gelüste (Ich mochte vom Tag des Einsetztens weg meinen Lieblingskäse nicht mehr) und Schmierblutungen (dauerten ca. bis Jänner 2009).

Die darauffolgenden 1,5 Jahre gings mir sehr gut mit der Spirale. Ich hatte keine Regel mehr, habe nicht zugenommen, hatte allerdings deutlich mehr Pickel als vorher (hatte früher, auch während der Pupertät, nie Pickel). Manchmal hatte ich Unterleibsschmerzen, aber eher sehr selten und nur rechts. Ca. 1 mal im Monat hatte ich einen Migräneanfall, da hab ich aber auch noch keinen Zusammenhang gesehen.
Nach ca. 1 Jahr habe ich mir außerdem den Rückholfaden kürzen lassen, da er meinen damaligen Freund gestört hat.

Das erste Mal, dass ich wirklich Veränderungen bemerkte, war im August 2010. Nach einem sehr stressigen Sommerjob im Juli hatte ich große Probleme mit Nervosität. Mein Hausarzt verschrieb mir homöopathische Mittel und meinte, dass das vom Stress kommen würde. Leider gings dann im Oktober so weiter und ich hab einen neuen Job vor lauter Panik nach wenigen Wochen wieder hingeschmissen. Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, mache mir wenig Sorgen und komm sehr gut mit neuen Situationen klar. Die Panikattacken wurden immer schlimmer und auch meine Bauchschmerzen wurden mehr.

Im Jänner 2011 ist dann während einer Untersuchung im KH (ich bin dorthin gefahren weil ich so starke Bauchschmerzen hatte rechts) eine Zyste mit einem Durchmesser von 6 cm geplatzt. Die Schmerzen waren kaum zu ertragen und ich musste über Nacht im KH bleiben. Mir wurde gesagt, dass die Flüssigkeit im Bauchraum absorbiert werden würde und in wenigen Tagen würde ich nichts mehr spüren.

5 Tage danach bin ich auf Auslandssemster geflogen. Leider musste ich selbiges nach einem Monat abbrechen, da ich seit der Zystensache extreme Schmerzen hatte und in einem Land war, in dem die Gesundheitsversorgung nicht gerade auf europäischem Standart ist. Ich hatte aber auch sehr viele Panikattacken in dem Monat und konnte die Zeit kaum genießen, obwohl ich mich immer sehr darauf gefreut hatte. Ich saß meistens weinend in meinem Studentenheim.

Nach meiner Rückkehr wurden erst mal mögliche Entzündungen/Zysten etc. abgeklärt. Da sonst alles in Ordnung war, riet mir mein FA dazu, die Mirena entfernen zu lassen. Nachdem ich begann, Erfahrungsberichte zu lesen und mich über Nebenwirkungen zu informieren, hab ich auf einmal sehr viele Zusammenhänge entdeckt. Irgendwie ist mir nicht aufgefallen, dass die Migräne erst mit der Spirale gekommen ist, aber auch meine Mutter hat mir bestätigt, dass ich definitiv bis zu meiner Matura nie Migräne hatte. Auch die Depressionen und die Panik sind neu.

Vor einer Woche hab ich die Mirena dann ziehen lassen. Entgegen dem Einsetzen tat das Entfernen wirklich nicht mehr weh als ein Krebsabstrich und ging ganz schnell. Meine FA meinte auch, dass ich die Erste sei, bei der es Probleme geben würde. Außerdem hat sie mir erzählt, dass sie seit meinem Zusammenbruch die Spirale so jungen Mädchen nicht mehr einsetzt und dass außerdem jetzt alle vorher Tabletten bekommen, die das Einsetzen erleichtern (Ich musste vorher nur ein Pakimed nehmen). Seither habe ich keine Schmerzen mehr, hatte auch keine Blutungen, nur etwas milchigen Ausfluss (den kenn ich auch erst durch die Spirale). Allerdings hatte ich die ganze Woche Kopfschmerzen und war sehr müde und antriebslos. Ich nehme an, das ist wegen der Hormonumstellung. Auf jeden Fall werde ich jetzt eine Weile nur mit Kondom verhüten und abwarten bis sich mein Hormonhaushalt und mein Zyklus normalisiert haben und dann eventuell wieder mit der Pille beginnen (auch wenn im Moment alles in mir gegen Hormone ist). Aber wie soll man sonst mit 21 Jahren, während der Ausbildung sicherstellen, nicht ungewollt schwanger zu werden?

Bericht einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, April 2011

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