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Erfahrungsbericht zum Verhütungsmittel Hormonspirale „Mirena“

Nachdem ich die Pille schlecht vertragen habe, riet mir mein FA im Sommer 2005 zur Mirena und lobte diese in den höchsten Tönen von wegen keine Nebenwirkungen, 5 Jahre Ruhe und keine Blutungen mehr. Das Einsetzen wäre überhaupt nicht schmerzvoll und zudem sei die Mirena auch für Frauen geeignet, die noch nicht geboren haben. Die Kosten würden sich schnell rentieren, da ich kein Geld mehr ausgeben müsse für Tampons und Binden.

Ich muss dazu erwähnen, ich bin 24 und habe noch nicht geboren. Nach einer Überlegungsfrist von einer Woche entschied ich mich für die Mirena. Das Einsetzten war mit dem größten Schmerz verbunden, den ich jemals verspürte. Ich hatte bei der Öffnung des Muttermundes solch ein unangenehmes Gefühl, dass mir regelrecht schwarz vor Augen war. Die Mirena saß perfekt und ich machte mich auf den Heimweg. An der Bushaltestelle bekam ich solche Schmerzen, dass ich fast zusammenbrach. Trotz Wattebausch zwischen den Beinen lief das Blut bereits unter der Hose am Bein entlang und der Bauch krampfte sich zusammen. Die Krämpfe hielten circa 3 Tage an. Dann ging ich ein halbes Jahr ins Ausland. Mit der Zeit bekam ich einen immer aufgeblähteren Bauch, fettige Haare, starkes Schwitzen und Körperbehaarung. Damit konnte ich einigermaßen leben. Womit ich nicht leben konnte, war das Gefühl, als ob mich ständig jemand wie mit einer Wäscheklammer von Innen in die Gebärmutter piekte und ich seit dem Einsetzen der Mirena 5 Monate ohne Unterbrechung blutete. Ich rief meinen FA an und er meinte, dass wären alles Übergangssymptome..völlig normal. Als ich wieder in Deutschland war, blutete ich kontinuierlich weiter. Ich ging zu meinem FA und er beharrte weiter darauf, die Mirena habe keine Nebenwirkungen, er habe sie schon 100 Mal eingesetzt, ich wäre die erste Frau mit Beschwerden … wenn überhaupt von der Mirena. Er meinte, ich blute, weil ich Stress im Studium habe und zudem wahrscheinlich eine Infektion. Also starkes Antibiotika und wieder nach Hause. Nach 9 Monaten bekam ich so starke Krämpfe im Bauch und das Zwicken wurde immer stärker. Ich hatte im Schnitt 24 Tage im Monat starke Blutungen und durch den Eisenverlust wurde ich schlapper, müder und total erschöpft. Also stand ich wieder bei meinem FA auf der Matte. Er wurde langsam ungeduldig und meinte, wie viele Geschlechtspartner ich denn hätte (Anm. einen) und von wegen mangelnde Hygiene: und wieder Antibiotikum und ab nach Hause. Ich war verzweifelt, wollte nicht mehr bluten und habe nur geweint. In der Nacht vor drei Tagen bekam ich dann so einen Blutsturz, dass ich dachte, ich würde verbluten. Gleich am Morgen bin ich zu einer anderen FA, die mich erst gar nicht behandeln wollte, weil ich in dem Quartal schon einmal beim FA war (!). Schließlich meinte die FA nur, wenn ich eine Infektion habe, dann zieht sie die Spirale jetzt. Als sie mich dann aber untersuchte, war sie fassungslos, wie ein Mensch nur so bluten kann und wollte zum ziehen ansetzen. Bei der Ultraschalluntersuchung dann der Schock: Nicht nur der Faden, auch die Mirena weg!!! Das Ganze wahrscheinlich schon seit mehreren Monaten. Auf der Suche nach dem Teil stellte sich heraus, dass die Spirale sich bereits halb durch die Gebärmutterwand in den Bauchraum gebohrt hatte, nur der Stift, war noch in der Gebärmutter. Sie überwies mich sofort ins Krankenhaus. Dort versuchte man an der Spirale zu ziehen ohne Narkose mit allerhand Geräten. Ich heulte nur noch. Die Blutwerte waren einwandfrei, keinerlei Infektionen, Antibiotika vollkommen zu unrecht verschrieben. Die Spirale aber saß fest.

Am nächsten Morgen wurde ich unter Vollnarkose operiert, wobei man die Mirena unter kräftigen Rucken „von unten“ wieder zurückzog. Als ich erwachte war das Zwicken zum ersten Mal seit einem Jahr weg. Geblutet habe ich immer noch sehr. Vollkommen benommen wurde ich am Abend entlassen. Derzeit sitze ich im Bett und habe keine Schmerzen mehr im Bauch, ich blute immer noch stark.

Wie mir im Krankenhaus bereits angetragen wurde, machen sich derzeit die Entzugserscheinungen bemerkbar. Ich fühle mich immer noch sehr schlapp und müde. Ich hoffe, dass die Blutungen bald aufhören. Ich habe starke Schwindelattacken und mir ist übel. Mir wurde gesagt, dass es Monate dauern kann, bis sich mein Körper wieder erholen wird. Ich soll bis 6 Monate nicht verhüten (Nur Kondom). Mir wurde gesagt, dass ich noch einige Tiefs durchmachen werde wie Angst und Panikattacken, weil mein Hormonhaushalt sich stabilisieren muss. Ich hoffe das Beste, ein Jahr Spiralentortur liegen hinter mir…das Geld ist futsch, aber Konsequenzen werde ich ziehen. Der FA und Schering werden von mir hören. Geldschneiderei auf anderer Leute Gesundheit darf nicht hingenommen werden!!

Bericht einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, November 2006

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