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Erfahrungsbericht zum Verh├╝tungsmittel Hormonspirale „Mirena“

Sehr geehrte Damen,
ich hoffe Sie nehmen auch Erfahrungsberichte aus Deutschland an. Da mir auch die Berichte auf Ihren Seiten sehr geholfen haben, m├Âchte ich auch meine Erfahrungen weiter geben.

Ich hatte die Mirena von 2003 bis Mitte Dezember 2011.
In den ersten 6 Jahren war alles wunderbar, ich hatte keine Periode, und noch viel sch├Âner, ich hatte auch kein PMS: Keine Stimmungsschwankungen, keine unbegr├╝ndeten Aggressionen, keine Bauchschmerzen, keine Spannungsgef├╝hle in der Brust. Vorher war ich eine Woche im Monat nahezu unzurechnungsf├Ąhig, das war mit Mirena v├Âllig weg. Ich war gut gelaunt, ab Herbst 2005 auch mit meinem neuen Mann unglaublich gl├╝cklich, und ich hatte eigentlich so gut wie immer Lust auf Sex.

Im November 2008 musste ich mir dann die zweite Spirale einsetzen lassen.
Im Mai 2009 gingen die Probleme los. Irgendwo habe ich gelesen, dass nach 6 Monaten Mirena die h├Âchste Hormonkonzentration im K├Ârper zu finden ist, das w├╝rde also vom Zeitpunkt her ├╝bereinstimmen (leider kann ich nicht mehr sagen, wo ich diese Info im Internet gefunden hatte, ein paar der Seiten vom letzten Jahr sind offenbar auch nicht mehr online).

Es begann zun├Ąchst mit Tinnitus. Da ich einen sehr stressigen Job hatte, und viele meiner Kollegen auch darunter litten, war das f├╝r mich nicht verwunderlich. Ich hatte nicht nur ein Pfeifen im Ohr, sondern ich h├Ârte auch hohe T├Âne v├Âllig verzerrt und quietschend. Musik h├Âren wurde zur Qual statt zum Vergn├╝gen. Gleichzeitig konnte ich aber aufgrund der lauten Pfeifger├Ąusche nur noch sehr schlecht h├Âren. Ich geriet auch noch an einen sehr schlechten und ├╝berheblichen HNO-Arzt, bekam Tabletten gegen Depressionen und gegen Demenz (mit damals 38 Jahren!). Weil der Arzt so schlecht war, bin ich nat├╝rlich auch nicht mehr hingegangen.

Im Juni 2010 bekam ich dann pl├Âtzlich den ersten Schwindelanfall. Mein Hausarzt wollte es als Verspannung abtun, aber mein Mann bestand darauf, dass ich richtig untersucht werde, auch wegen dem Tinnitus, und weil wir auch Angst vor einem H├Ârsturz oder sogar Schlaganfall hatten. Ich geriet dann an einen sehr guten HNO-Arzt. Auf die Frage, ob ich Medikamente nehme, antwortete ich nat├╝rlich mit nein, gab aber noch an, die HS zu haben, und fragte, ob das daran liegen k├Ânnte, was verneint wurde. In den folgenden Monaten bekam ich verschiedenste Medikamente und Infusionen. Zwischendurch hatte ich mal drei Monate keine Beschwerden, aber sonst lag ich alle 2 bis 4 Tage flach mit Schwindel. Ich konnte w├Ąhrend der Anf├Ąlle kaum laufen, mir war hundeelend und schlecht und ich konnte nichts essen, nichts trinken und musste mich ├╝bergeben. Wer schon mal einen ├╝ber den Durst getrunken hat und ÔÇ×KarussellfahrenÔÇť kennt, wei├č in etwa, wie sich das f├╝r mich anf├╝hlte. Mein Arzt war sich nicht wirklich sicher in der Diagnose, aber er vermutete die Meni├Ęrsche Krankheit. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohres, die sehr mit Ver├Ąnderungen im Kaliumgehalt im Ohr einherzugehen scheint.

Ich hatte damals einen ziemlich verantwortungsvollen Beruf, mit Verantwortung f├╝r ├╝ber 100 Mitarbeiter und viel Publikumsverkehr. Zur Arbeit hatte ich eine Strecke von 56 km zu fahren. Die Fahrt zur Arbeit war schon schwierig, aber noch schwieriger war es, dass ich mich teilweise von Kollegen am Arm f├╝hren lassen musste, weil ich allein nicht mehr laufen konnte. Die Leute wissen ja nicht, was los ist, und denken man w├Ąre betrunken Aber irgendwann konnte ich einfach nicht mehr, deshalb habe ich im Mai 2011 aufgeh├Ârt, obwohl mein Arbeitgeber das Ganze mitgemacht h├Ątte und unglaublich loyal war.

Damals hatte ich dann die Hoffnung, das Ganze k├Ąme vom Stress und w├╝rde aufh├Âren, wenn der weg ist. Ich hatte zwar auch in 2011 zwischendurch immer wieder mehrere Wochen lang keine Schwindelattacken, aber sie kamen doch wieder. Im Herbst und Winter war es dann wieder alle 2-3 Tage soweit und ich lag tagelang flach.

W├Ąhrend dieser Zeit kam mir aus irgendeinem Grund wieder die Sache mit der HS in den Sinn und ich begann zu recherchieren und stie├č auf Ihre Seite, sowie auf http://www.hormonspirale-forum.de, und speziell den Bericht von annkiste ÔÇ×Mirena und die Folgeerscheinungen von LevenorgestrelÔÇť, der mir beim Punkt Kaliumhaushalt sofort die Augen ├Âffnete.

Ich lie├č mir daraufhin sofort die HS ziehen, das war am 14. Dezember 2012. Mein Frauenarzt hat das gleich getan – ohne mit der Wimper zu zucken -, nachdem ich mit einem Schwindelanfall bei ihm sa├č und berichtete, wie es mir geht. Er hat sich aber auch ├╝berhaupt nicht weiter dazu ge├Ąu├čert und ich vermute, dass er mehr ├╝ber die Nebenwirkungen wei├č, als er zugeben w├╝rde.

Seitdem (inzwischen sind 10 Monate vergangen) hatte ich nur 5 leichte Schwindelanf├Ąlle, die alle nach ca. 15 min vor├╝ber waren. Ich habe mich im ganzen Jahr nicht ├╝bergeben, ich konnte immer auch w├Ąhrend des Schwindels laufen, die Anf├Ąlle waren eher so, wie kleine Kreislaufschwindelanf├Ąlle, also kein Problem. Und ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann einfach weg bleiben. Tinnitus habe ich so gut wie gar nicht mehr, manchmal rauscht es ein bisschen im Ohr, aber das geht nach einem Tag immer wieder weg. Ich habe meinen HNO ├╝ber das Ganze informiert und gebeten, an das Bundesinstitut f├╝r Arzneimittel zu melden, was er mir auch zugesagt hatte. Ich wei├č, dass er noch zwei weitere Frauen mit der gleichen Krankheit behandelt (sie kommt wohl nicht so oft vor und er war sehr daran interessiert, immer die neuesten Forschungsergebnisse dazu zu kennen), ich hoffe nat├╝rlich, dass er sie zumindest darauf anspricht, ob die auch die HS haben.

Ich rate deshalb inzwischen jeder Frau davon ab, die HS setzen zu lassen. Auch wenn es mir fast 6 Jahre damit gut ging, ├╝berwiegen f├╝r mich die negativen Erfahrungen. Letztlich hat mich die HS meine berufliche Karriere gekostet, bzw. ihr zumindest einen herben Tritt verpasst, da ich ja jetzt wieder arbeite.

Leider habe ich auch wieder mit PMS zu k├Ąmpfen, was ja offenbar auch mit Kalium und Magnesium zu tun hat. Vermutlich bin ich deshalb auch irgendwie in dieser Hinsicht vorbelastet und die Mirena war evtl. nur der Katalysator f├╝r den Ausbruch einer schlummernden Krankheit. Eindeutig ist f├╝r mich aber, dass es mir gut geht, seitdem sie weg ist.

Ich bin 41 Jahre alt und habe keine leiblichen Kinder.
Einer anonymisierten Ver├Âffentlichung meiner Erfahrungen stimme ich zu.
Herzlichen Dank und
viele Gr├╝├če

E-Mail einer Frau an das Frauengesundheitszentrum, Juli 2012

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